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Claudia Brefeld

Haiku-Fenster
Treibholz

 

 

Treibholz ...
angekommen
im Ikebana

    Marion Naumann d’Alnoncourt


 

 

* * *

Blumen flecht’ ich scherzend nicht für dich zum Kranze,
Und mein Rhythmus weiht sich nicht zum leichten Tanze,

Karoline von Günderrode

* * *

 

Ikebana ist nicht nur eine Harmonie von linearem Aufbau, Rhythmik und Farbe, sondern immer auch Ausdruck der jeweiligen Gefühle, die seinen Gestalter bewegen. Das Darstellen der kosmischen Ordnung fließt ebenso mit ein, wie das Verhältnis zur Natur.

So bekommt das Treibholz hier seine besondere Bedeutung, sei es im Sinne der germanischen Schöpfungsgeschichte (Ask und Embla, die Stammeseltern, wurden aus Treibholz geschnitzt), als auch durch die Symbolik des Holzes im Zusammenhang mit dem Bedeutungskomplex „Tragen und Bergen“.

Holz ist einer der ältesten und wichtigsten Werkstoffe der Menschen, ursprünglich oft mit der materia prima gleichgesetzt.


Angekommen

Durch die mittlere Zeile schließt der Kreis sich auf eine besondere und intensive  Weise – und ruht in sich.

 

 


Marion Naumann d’Alnoncourt, *1941 in Essen. Ikebanalehrerin der Sogetsu Schule (sankyu shihan). Mitglied des Künstlerbundes GEDOK-NRR.

Haiku und biografische Daten sind entnommen aus Lauschen der Bach. Haiku-Jahrbuch 2008. Wolkenpfad, Tübingen, 2009.

Beim Zweizeiler von Karoline von Günderrode handelt es sich um den Anfang des Gedichts „Schicksal und Bestimmung“, entnommen den Gesammelten Werken in 3 Bänden, Band 3, Bibliophiler Verlag O. Goldschmidt-Gabrielli, Berlin-Wilmersdorf, 1920-1922, Seite 5-6.

Zusammenstellung und Begleittext: Claudia Brefeld.
 

 

15.09.2009 auf www.Haiku-heute.de
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