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Volker Friebel

Haiku aus fünf Jahrhunderten
Buchbesprechung

Klopfenstein, Eduard & Masami Ono-Feller (Hg) (2017): Haiku. Gedichte aus fünf Jahrhunderten. Stuttgart: Reclam. Gebunden, 422 Seiten, 44,00 Euro.

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Bei Reclam denke ich an kleine billige Hefte mit gutem Inhalt. Den gibt es auch hier, aber in einem großen, blau eingebundenen Buch, welches zunächst an ein Fachbuch erinnert und das eigentlich auch ist.

Masami Ono-Feller hat etwa 300 japanische Haiku (bzw. Hokku) vom 15. Jahrhundert bis in die Gegenwart hinein ausgewählt. Der Züricher Japanologie-Professor Eduard Klopfenstein hat die Texte übersetzt und kommentiert.

Nach dem Vorwort steht auf jeder der folgenden 305 Seiten ein Haiku, deutsch und japanisch, in japanischen Zeichen und in lateinischer Umschrift, sowie ein Kommentar zum Haiku. Die Anordnung der Texte erfolgt chronologisch nach dem Geburtsjahr der Verfasser. Nach den Haiku kommt das Autorenverzeichnis, mit einer drittel bis einer halben Seite Biografie zu jedem Autor. Anschließend stehen drei Seiten Haiku-Glossar mit den wichtigsten Begriffen.

Das Haiku hat sich aus dem Anfangsglied eines Kettengedichts entwickelt. Ono-Feller und Klopfenstein würdigen das, indem sie ein solches Kettengedicht abdrucken, und zwar das im Jahre 1814 von Issa geleitete Kasen „Solch eine“, dessen Hokku auch als Einzeltext Issas im Buch enthalten ist:

Solch eine schäbige Welt –
und doch von blühenden Kirschen
über- und übervoll!

Sehr interessant ist auch der Buchteil vor den verschiedenen Verzeichnissen (Literatur, Autoren, Haiku alphabetisch, Angaben zu Übersetzer und Herausgeberin): „Nachwort – mit einem kurzen Überblick über die Geschichte der Haiku-Dichtung“ von Eduard Klopfenstein. So etwas gibt es mit dieser zeitlichen Spanne bisher nicht. Klopfenstein legt darin eine Neubewertung der bislang eher als minderwertig dargestellten Hokku vor Bashō nahe und gibt einen spannenden Abriss der Entwicklung des japanischen Haiku bis in die Gegenwart.

Aus den aufgenommenen Texten möchte ich keine weiteren hervorheben, gerade die Fülle ist wichtig. Zum Buch selbst gibt es eine klare Empfehlung: Eine sehr verdienstvolle Arbeit, der viele Leser zu wünschen sind. Hoffentlich wird der Reclam-Verlag, dem schon für die Initiative dieses Werks zu danken ist, das durch eine preiswerte Taschenbuchausgabe in nicht zu ferner Zukunft unterstützen!

 

Ersteinstellung: 15.12.2017

 


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