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Volker Friebel Kusamakura: Haiku-Wettbewerb 2005
Bereits zum 10. Mal wurde der jährliche Haiku-Wettbewerb von Kusamakura ausgeschrieben. Für die internationale Abteilung konnte jeder Autor zwei englischsprachige Haiku einreichen. Alle preisgekrönten Haiku sind auf einer Netzseite aufgeführt.
Den ersten Preis gewann ein Haiku von Roberta Beary (USA):
thunder the roses shift into shadow
Donner die Rosen wechseln in Schatten
Der Kommentar zum Sieger-Haiku stellt die Veränderung der Farbe im grellen Licht besonders heraus, ein Haiku also, das wegen der Beschreibung einer Veränderung ausgewählt wurde.
Einen Spezialpreis erhielt das Haiku von Timothy Russell (USA):
noon: a fish skeleton curled among rocks
Mittag: ein Fischskelett gekrümmt zwischen Felsen
Im folgenden die acht Haiku, die mit einem zweiten Preis ausgezeichnet wurden:
ripening wheat through fast moving wipers a rainbow
Reifender Weizen zwischen schnellen Scheibenwischern ein Regenbogen
erasing a leaf from my sketch of the oak – the season draws on
radiere ein Blatt von meiner Skizze der Eiche – das Jahr zeichnet weiter
Firefly flickers by – here ... there ... on ... off ... gone ... leaves me staring into dark.
Leuchtkäfer flackern hier ... dort ... auf ... nieder ... vorbei ... lassen mich ins Dunkel starren
Into the mirror Clouds draw their bow very low The Sunny arrow
Im Spiegel Wolken ziehen ihren Bogen sehr niedrig Der Sonnenpfeil
dusting off a trail map: the edge of winter
staube die Wanderkarte ab: die Grenze des Winters
starlit surf a horseshoe crab flips itself
sternenklare Brandung eine Hufeisen-Krabbe wendet sich selbst
sunrise – a caterpillar eats through shadows
Sonnenaufgang – eine Raupe frisst sich durch Schatten
swinging up to the moon on half a car tyre
zum Mond hochschwingen auf einem halben Autoreifen
Unter den Haiku mit einem dritten Preis findet sich das wohl einzige original deutschsprachige:
alpine pasture a cow pat releases two butterflies
Im Haiku-Jahrbuch 2005 „Worte für die Wolken“ ist es so zu lesen:
Almwiese ein Kuhfladen entlässt zwei Schmetterlinge
An den Übersetzungen waren Angelika Wienert, Gerd Börner, Udo Wenzel und Dietmar Tauchner beteiligt. Einige Haiku erwiesen sich, da vielseitig interpretierbar, als sehr schwer übertragbar. Das mag auch als Hinweis darauf zu verstehen sein, dass es den Auswählern wesentlich auf eine anspruchsvolle literarische Leistung ankam und die einfache Darstellung eines Bildes für die Durchsetzung eines Haiku in diesem großen Wettbewerb kaum ausreicht.
10.05.2006 auf www.Haiku-heute.de Alle Rechte bei den Autoren
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