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Dietmar Tauchner NOON Ein Journal für Kurzgedichte
NOON ist ein Journal für Kurzgedichte, das seit Dezember 2004 normalerweise zweimal im Jahr in englischer Sprache in Tokyo erscheint. Herausgeber Philip Rowland bekam 2005 für „Together Still“ den ersten Preis der amerikanischen Haikugesellschaft für den besten Debüt-Haikuband verliehen. Die Selbstbeschreibung von NOON lautet folgendermaßen: "The journal aims for considerable aesthetic range, but with an emphasis on haiku. Hand-bound in Japanese style, it also aims for elegance and clarity of design, featuring a poem per page."
NOON erscheint in einer bibliophilen Gestaltung, handgemacht im japanischen Stil, und umfasst pro Ausgabe ungefähr 70 Seiten, wobei sich auf jeder davon nur ein Gedicht befindet. Die Beiträge werden anonym, also ohne Angabe der Namen, vorgestellt, diese sind jedoch im Anhang nachzulesen und über die entsprechende Seitenzahl dem jeweiligen Gedicht zuzuordnen. Das soll verhindern, dass die Qualität eines Textes vom Autorennamen abgeleitet wird und nicht vom Text selbst.
NOON bietet eine große Spannweite an Genres und individuellen Stilen. Neben Haiku, die in ein- bis fünfzeiliger Anordnungen erscheinen, werden auch Tanka, Haibun und Haiga berücksichtigt:
Digging up roots I find two folded like hands, deeper than the others, an re-bury them (1)
computer crash as it falls snow reaches into my inner life (2)
defiance of eternity above the swell a lost bee (3)
a child's outstretched hand both eyes of the Buddha closed (4)
Dies einige Beispiele aus den ersten vier Ausgaben.
Außerdem präsentiert NOON experimentielle, visuelle Arbeiten, konkrete Poesie und „pwoermds“ (Einwort-Texte, meist Neologismen mit visuellen Eingriffen nach Geof Huth):
Psychostrophic I are we? are us –
are you? (5)
Sonnet for Philip Glass
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SNOW (7)
Dichtungen in eher traditioneller Ausrichtung mit klaren Stophenschemen:
A blind Visitor
Darkness
wasn't dark for him
The always being of what
he always was Day and night
Not the dark of knowing
us through. (8)
In NOON 4, der aktuellen Ausgabe, die im September 2006 erschienen ist, finden sich einige Übersetzungen der Haiku von Saito Sanki (1900-1962), Hirahata Seito, Watanabe Hakusen (1913-1969) und Sugimura Seirinshi (1912-1990), die sich auf die Absurdität des Krieges beziehen und allesamt in den 1930iger Jahren verfasst wurden:
a machine gun in the forehead the killing flower blooms (9)
clean kills: in a night war a canyon a crab (10)
war has stood in the depth of the corridor (11)
war dead exit out of a blue mathematics (12)
Es ist nicht leicht dieses Magazin mit nur wenigen Beispielen zu charakterisieren, zumal das dargebotene Textspektrum sehr reichhaltig ist und weniger auf formale Genre-Bezüge abzielt als auf originelle Adaptionen und individualistische Versuche, die nach eigenen Wegen des Ausdrucks suchen. Getragen wird aber das ganze Magazin von der Konzentration auf die Kürze, die niemals die Länge einer Seite überschreitet, es sei denn im Falle von Sequenzen.
NOON ist alles in allem ein spannendes und empfehlenswertes Kaleidoskop moderner japanischer Kurzlyrik und zeitgenössicher Formen, die „die Würze in der Kürze“ aufzuspüren versuchen. Wer über die Dynamiken englischsprachiger Kurzgedichte auf dem Laufenden sein möchte, ist bei NOON bestens aufgehoben.
Anmerkungen
(1) Michael McClintock, NOON 4
(2) Marlene Mountain, NOON 4
(3) Alain Kervern, NOON 1
(4) Caroline Gourlay, NOON 1
(5) Geoffrey Hlibchuk, NOON 4
(6) Jim Kacian, NOON 3
(7) Richard Kostelanetz, NOON 2
(8) David Jaffin, NOON 2
(9) Saito Sanki, NOON 4
(10) Hirahata Seito, NOON 4
(11) Watanabe Hakusen, NOON 4
(12) Sugimura Seirinshi, NOON 4
Kontakt & weitere Informationen:
Philip Rowland, Editor Minami Motomachi 4-49-506 Shinjuku-ku Tokyo 160-0012 Japan
Email: noonpress@mac.com
Aktuell 18.12.2006 auf www.Haiku-heute.de, erstmals 15.12.2006 Alle Rechte bei den Autoren
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