Buchvorstellung von Volker Friebel
Christiane Freimann (2025): Hosentaschenzettel. Rotkiefer Verlag, Berlin, 48 Seiten, 6,00 €.
20 Haiku und 7 Grafiken von Christiane Freimann, das ist Band 13 der Haiku-Hefte im Rotkiefer Verlag, Berlin. Die titelgebenden Verse:
Jans Hosentaschenzettel
gefreut, eingesteckt
mitgewaschen
Das Buch beginnt entsprechend ganz in Weiß:
Erste Schneeglöckchen
im Schnee
Ich lege Perlen an
Die meisten der Texte sind hell, freundlich, lassen beim Leser gute Laune zurück. Fröhliche Kopfstände in Versen. Die Autorin hat noch andere Seiten, mit Texten, die einen Salto schlagen, mit unerwarteten und höchst interessanten Assoziationen. Im Hosentaschenzettel ist eine Auswahl versammelt, die die japanischen Klassiker fast alle als „Haiku“ akzeptieren würden, wenn auch manchmal mit Stirnrunzeln (und vielleicht einem Lachen), die für die Autorin charakteristischen Texte sind im Heft weniger häufig.
Ich erinnere mich noch an meine Verwirrung, als ich die ersten Einsendungen von Christiane Freimann bei Haiku heute las: Hat da jemand Probleme mit der Sprache oder ist das hohe Kunst? Ihre sehr eigenwillige Art des Haiku hat mein Verständnis bereichert, erweitert, es ist also Kunst. Über Namen kann man streiten, aber heiliges Haiku hin oder her, diese Texte sind sehr besonders und sehr originell. Die japanischen Klassiker waren auf der Höhe ihrer Kultur, unsere Kultur ist anders, wir können von den Japanern lernen und auf der Höhe unserer eigenen Kultur sein. Die Verse von Christiane Freimann erinnern mich immer wieder daran.
Chilichips
Kartesianischer Tanzteufel
glotzt aus der Flasche
Erhältlich im Buchhandel. Zum Buch beim Rotkiefer Verlag, Berlin.