Eine Buchvorstellung von Volker Friebel
![]()
Elena Abendroth & Georg Seibt (2026): Warmes Licht – lichte Wärme. Haiku verstehen. BoD, Hamburg, 95 Seiten, 18,99 € (Hardcover), 7,49 € (Kindle-eBuch). Erhältlich über den Buchhandel.
Zunächst steht eine Einführung zu Achtsamkeit, Zen und deren Verbindung zum Haiku. Dann folgen 42 (gute), nach Themen geordnete Haiku von Elena Abendroth. Viele davon, nicht alle, sind entsprechend meditativ gefärbt. Einige Beispiele.
Yoga
Schmetterling wandelt sich zum Frosch
dann der Kuss
Zen unter Wolken
Steingarten mit Schneeflecken
windgeharkt
Tuschezeichnung
Schneeregen im Bergwald
mittendrin ich
rote Kirschen
erinnern an ein Gedicht
weißer Blüten
Engel aus Stein
am Grab ein Vogelschwarm
fliegt auf
Jedes Haiku wird anschließend auf einer bis drei Buchseiten besprochen, wobei die Autorin, Georg Seibt und ein Sprachmodell (ChatGPT) zusammenwirken. Das ist eine spannende Sache, die aber meine grundsätzliche Skepsis gegenüber Haiku-Besprechungen auch nicht ausräumen kann. Nun, der Untertitel des Buches, „Haiku verstehen“, verweist auf die gute Absicht, hört man doch immer wieder, jemand könne mit Lyrik und gar mit diesen besonders kurzen Haiku wenig anfangen, verstünde sie nicht. So mag das Buch hier also Gutes tun. (Die 42 Haiku tun das auf jeden Fall.) Wobei mir an Lyrik und auch an Haiku gerade besonders gefällt, dass ich sie nicht verstehen muss, sondern erleben darf, dass der Verstand weitgehend draußen bleiben darf. Natürlich ist meine Auffassung von Lyrik eben die meine und wird sicherlich nicht allzu häufig geteilt. Und nicht nur der Arten des Verstehens, auch der des Schreibens, sind viele.
So ist das Buch eine Bereicherung.