Buchvorstellung von Volker Friebel

Ono-Feller, Masami (Hg) (2026): Haiku der Jahreszeiten. Japanische Kurzgedichte und Farbholzschnitte. Japanisch / Deutsch. Übersetzt von Eduard Klopfenstein und Masami Ono-Feller. Reclam, Ditzingen. Fester Einband, 128 Seiten, 22,00 €.
Der schöne Band enthält Haiku aus der großen Sammlung „Haiku – Gedichte aus fünf Jahrhunderten“, ohne die Erläuterungen, aber mit farbigen Holzschnitten, erweitert um weitere Verse – das gibt einen schönen Geschenkband für Menschen, die japanische Kultur lieben.
Die Haiku stammen überwiegend, aber keineswegs ausschließlich, aus der japanischen Klassik, einige zeitgenössische Autoren sind vertreten, so wie auch die Holzschnitte aus unterschiedlichen Zeiten stammen. Es ist interessant, die Veränderungen in der Ausdrucksweise in Schrift und Bild nachzuverfolgen.
Die Herausgeberin (Ryūka) hat ein eigenes Haiku vorangestellt:
Die Buckelwale
hängen senkrecht im Meer
und meditieren
Das Bild verfolgte mich beim Blättern im Buch – Haiku als meditierende Wale.
Neben Bashō und anderen Klassikern finde ich Shokyū (1714-1781), die 26-jährig als verheiratete Frau mit einem reisenden Dichter durchgebrannt ist und später als Haikai-Meisterin selbst ausgedehnte Wanderreisen unternommen hat:
Blühende Deutzien!
Ich schäme mich meines
handgewobenen Kleids
Es gibt im Haiku, selbst im klassischen japanischen Haiku, noch viel zu entdecken. Und manches immer wieder aufs Neue zu lesen, so von Bashō:
Mond in vollem Glanz –
Ich umrunde den Teich
die ganze Nacht durch