Rezension „Jemand klopft an mei Herz“ von Manfred Eichhorn

Volker Friebel

Manfred Eichhorn (2006): Jemand klopft an mei Herz. Schwäbische Haikus. Mit Fotos von Niels Schubert. Silberburg-Verlag, Tübingen, 52 Seiten, 9,90 Euro.

Ein Klick auf das Titelbild führt zur Seite des Buchs bei Amazon, mit Bestellmöglichkeit.

„Jemand klopft an mei Herz“ ist als Geschenkbuch konzipiert, und als ein solches habe ich es erhalten. Die schönen Naturaufnahmen sind von Niels Schubert in der Umgebung von Stuttgart gemacht. Manfred Eichhorn, von dem die Haiku stammen, hat etliche Bücher vor allem mit Kindergeschichten veröffentlicht, auch einige Theaterstücke.

Aber der auf Mundart spezialisierte Verlag unten auf dem Umschlag, an dem laufe ich doch mindestens einmal die Woche vorbei, vom Wandern hinter dem Kloster Bebenhausen durch die Wälder zurück zur Bushaltestelle! Ich muss lachen, habe ich doch auf Haiku heute als Titelbild mal ein Foto gerade von diesem Gebäude gesetzt: Blütenzweige vor einem geschwungenen Fenster. Dahinter wurde also gerade ein Haiku-Buch gesetzt.

Das sind fast alles Liebes-Verse, im weitesten Sinne, also Streit ist nicht ausgespart. Einige Kostproben (die Übersetzung ins Hochdeutsche erfolgt durch den Rezensenten):

Wenn i grad an di
denk: Holz mecht i kloihacka
dausend Spächtala

Wenn ich gerade an dich
denk: Holz möchte ich kleinhacken,
tausend Scheite

Beim Vesper koi Wort
mit‘m Brotmesser schneidasch
du d’Luft en zwoi Doil

Beim Abendessen kein Wort
mit dem Brotmesser schneidest
du die Luft in zwei Teile

G’schneit hot’s
Mach du dia Dapper
en dene i laufa ka

Geschneit hat es
Mach du die Fußstapfen
in denen ich laufen kann

Om Weihnachta rom
griagt ao dr Bettler amol
an freindlicha Blick

Um Weihnachten herum
bekommt auch der Bettler einmal
einen freundlichen Blick

Vor lauter Schaffa
Drei Dag lang han i net gmerkt
dass mei Kirschbaum bliath

Vor lauter Arbeit
Drei Tage lang hab ich nicht gemerkt
dass mein Kirschbaum blüht

A Distel mecht i
dir schenka, doch allaweil
werrad Rosa draus

Eine Distel möchte ich
dir schenken, doch immer
werden Rosen draus

Em Baumstamm onsre Näma
se send ausnander ganga
en de letschte Johr

Im Baumstamm unsere Namen
sie sind auseinander gegangen
in den letzten Jahren

Endgültig aus wär’s
zwischa ons, sag’sch, ond
überziehsch d’Betta nei

Endgültig aus wärs
zwischen uns, sagst du, und
überziehst die Betten neu

Bloma en dr Hand
Bisch oifach vorbei glaufa
Bliaba isch ihr Duft

Blumen in der Hand
Du bist einfach vorbei gelaufen
Geblieben ist ihr Duft

Die „Theorie“ steht ganz kurz im Nachwort, man vergisst sie am besten gleich wieder, die „Praxis“ ist viel besser gelungen.

Eigentlich wollte der Autor japanische Haiku übersetzen – aber es wurden neue daraus. Ha ja, so ischs.

 

Diese Rezension erschien erstmals in Sommergras – Vierteljahresschrift der Deutschen Haiku-Gesellschaft,   76, März-Heft 2007, Seite 53-54. Diese Fassung hier ist etwas länger und entspricht der damaligen Einreichung, nicht dem Druck. Sie wurde am Di. 01.09.2020 anlässlich der Besprechung eines Haiku-Krimis von Manfred Eichhorn auf Haiku heute eingestellt.