Die Kieferninseln von Marion Poschmann

Buchbesprechung von Volker Friebel

 

Marion Poschmann (2017): Die Kieferninseln. Roman. Berlin: Suhrkamp. PapierBuch: 267 Seiten, 20,00 Euro, eBuch: 16,99 Euro.

Ein Klick auf das Bild führt zur Seite des Buchs bei Amazon mit weiteren Informationen und einer Bestellmöglichkeit, falls Sie das Buch wirklich kaufen möchten.

 

Das Buch ist längst zugeschlagen, die Recherche im Netz abgeschlossen, und ich bin noch immer verwirrt.
Marion Poschmanns Roman handelt von der eigenartig motivierten Reise eines skurillen Bartexperten nach Tōkyō und von dort mit einem irgendwie hängengebliebenen japanischen Möchtegern-Selbstmörder weiter auf Bashōs Spuren zu den Kieferninseln, einer der, wie es heißt, schönsten Landschaften Japans. Der Roman wird von den Rezensenten der großen Zeitungen hoch gelobt und verkauft sich überdies gut, er ist auf der Kurzliste des German Book Award 2017.

Die Sprache ist konkret – und interessanterweise eben damit unwirklich distanziert. Wie eigentlich alles, voran die beiden Hauptdarsteller, wenig lebendig wirkt, zufällig, nicht immer sehr glaubhaft, wie es dem Leser damit, positiv formuliert, viel Freiheit lässt, seinen eigenen Sinn hineinzulegen.

Weshalb allerdings sollte ich positiv formulieren? Das entspricht nicht dem Buch, nicht dessen Stimmung, die bei allem gelegentlich aufblitzenden Witz traurig wirkt, dunkel jedenfalls, trotz Helle und Schärfe der Wahrnehmung, schwebend fällt mir noch ein, wenn das Wort nicht merkwürdig kontrastieren würde mit der Schwere von Thematik und Sprache.

Einige besuchte Stationen von Bashōs Wanderung (mit der Bahn besucht) liegen in überscharfem, kaltem Licht, lassen für romantisierende Japan- und Haiku-Liebhaber nichts Tröstliches übrig. Das ist gut. Schlecht ist: Die Haiku-Versuche der beiden Protagonisten unterscheiden sich kaum von der Sprache des Buchs. Es wäre besser gewesen, die Autorin hätte ein Nachbarskind gebeten, Haiku für sie zu schreiben und hätte die dann ihrem Buch angepasst.

Geht es im Buch um Natur? Um die heilende Kraft der Natur in die belanglosen und zufälligen Unsäglichkeiten dessen hinein, das wir unser Leben nennen? Um Entfremdung also? Beziehungslosigkeit? Um den Wunsch, es könnte so etwas wie Natur oder Heilung noch geben? Und irgendwie noch um das Rätsel von Sinn und Ziel in unserem Leben? Um die Erfahrung, dass mit einem bloßen Nachgehen alter Pfade ins Hinterland nichts zu erreichen ist? Vermutlich so ungefähr. Und es gibt einen Lichtblick am Ende. Vielleicht. Das muss geheimnisvoll bleiben.

Das Buch braucht Pausen. In denen habe ich nachgedacht: über moderne Literatur (das, was sich eben als solche bezeichnet und mir ziemlich alt vorkommt), die modernen Künste überhaupt (noch älter), den Literaturbetrieb (der ist allerdings alterslos), Natur (jung wie der Frühling), natürlich bei allem über uns Menschen (undefiniert). Ein gutes Buch soll eines sein, das den Leser anregt, selbst zu denken. Zufriedenstellen muss es ihn nicht.

Allerdings musste ich nachdenken, wegen der dem Verlag versprochenen Rezension. Ohne dieses Versprechen hätte ich wohl nur irritiert nochmal die Rezensionen im Kulturteil der Zeitungen nachgeschlagen, ob ich etwas übersehen habe, und das Buch dann lang vor seinem Ende zugeschlagen. Und mich gefragt, ob ich von Literatur so gar nichts verstehe oder ob das nur der halbherzige Versuch ist, einen Japanaufenthalt noch irgendwie zu Geld zu machen, mit irgendwas um Kunst und Exotik, mit trotteligen Männern und einer geheimnisvollen leidenden Frau im Hintergrund, wie man das eben so macht, wenn es um Geld geht. Und gehofft, dass das erstere zutrifft.
Eigentlich finde ich Buch und Autorin sympathisch.

Das sind für mich die Kieferninseln von Marion Poschmann.

 

Ersteinstellung: 25.01.2018, Erweiterung 15.02.2018