Rezension Wirth 2019

von Beate Conrad

Klaus-Dieter Wirth (2019): Der Ruf des Hototogisu.  Grundbausteine des Haiku.  Teil I.  Allitera Verlag.  ISBN 978-96233-155-9.  267 Seiten in deutscher Sprache.  19,90 €.

 

Das Buch besteht aus zwei Teilen.  Der erste beinhaltet eine ausführliche Einführung zum Haiku, wo die japanische Tradition mit den wichtigsten Wesensmerkmalen des Haiku vorgestellt, diskutiert und auch Fragen der Form und Verschriftung behandelt werden.  Den zweiten Teil des Buches bilden zwanzig Aufsätze, die sogenannten Grundbausteine, die die literarischen Stilmittel und einige ästhetische Kriterien abhandeln.  Diese Aufsätze wurden vormals in der Zeitschrift Sommergras der deutschen Haikugesellschaft zuerst einzeln veröffentlicht, liegen hier nun aber in überarbeiteter Fassung vor.  Jedem Essay sind eine Auswahl an internationalen Haiku mitsamt Übersetzung ins Deutsche beigegeben, anhand derer das jeweils Abgehandelte nachvollzogen werden kann.  Eine explizite Einzeltextanalyse wird nicht mitgeliefert.  Dazu ist vielmehr das eigene Mitdenken des Lesers gefordert, auf daß nach der Lektüre, bedingt durch diese eigene Mitarbeit, am Ende mehr beim Leser ankommen und hängenbleiben möge.  Das ist natürlich so beabsichtigt, denn das Buch versteht sich als ein Kompendium, also als ein Arbeits-, Nachschlage- und Wissensbuch.  Damit liegt im deutschen Sprachraum nun ein Grundlagenbuch zum Haiku vor, das sowohl für einfach Haikubegeisterte, als auch für literarisch ernsthaft Schreibende hilfreich sein dürfte.  Zudem dokumentiert der Autor mit seiner ausgewählten Sammlung von fast 900 Haiku einen Ausschnitt zum gegenwärtigen Stand des Haiku.  Diese Fülle an kleinsten Gedichten zusammen mit zwanzig kunstfertigen Sumi-e-Haiga von Ion Codrescu stellt nicht zuletzt auch eine ästhetisch empfehlenswerte Lektüre dar.