Das Haiku

Angepasst aus dem Buch: Volker Friebel (2019): Das Haiku. Grundwissen – Vertiefungen – der Horizont. Edition Blaue Felder, Tübingen. Alle Rechte vorbehalten. Die Rechte der zitierten Haiku liegen bei ihren Autoren.

Grundwissen zum Haiku

„Und wenn unter tausend Paaren auch nur eins ist, das sich liebt, so ist es nicht die Ausnahme, sondern die Regel: es gibt das Gesetz an“ (Peter Handke, Am Felsfenster morgens (und andere Ortszeiten 1982-1987)).

Gesetze in der Dichtung, in der Kunst überhaupt, scheinen vor allem dazu da, sie zu brechen. Handkes kühne Behaup­tung sensibilisiert dafür, dass das, was wir suchen, wenn wir nach dem Wesen des Haiku suchen, in den einzelnen Texten auch fehlen kann – und trotzdem ist es das, worum es geht, worum sich die Dichtung dreht wie die Liebe.

Wir werden uns dem Haiku am leichtesten nähern, wenn wir einzelne Texte betrachten und uns fragen, was sie im Kern ausmacht, was sie von anderen Texten abhebt und dem Haiku einen eigenen Namen verdient.

Dazu wollen wir uns zunächst die wichtigsten Merkmale des Haiku an einem Beispiel vergegenwärtigen.

Merkmale des Haiku

Stromausfall.
In der Wohnung des Nachbarn
spielt jemand Klavier.

Am Text von Sigrid Baurmann lassen sich die wichtigsten Merkmale von Haiku gut nachvollziehen:

Stromausfall.
In der Wohnung des Nachbarn
spielt jemand Klavier.

Am Text von Sigrid Baurmann (Haiku-Jahrbuch 2003) lassen sich die wichtigsten Merkmale von Haiku gut nachvollziehen:

Kürze: Haiku sind kurze Gedichte. Meist werden sie in drei Zeilen geschrieben.

Gegenwärtigkeit: Haiku sind in der Zeit. Und zwar fast immer in der Gegenwart. Wenn andere Zeiten vorkommen, dann sind es Erinnerungen oder Zukunftsfantasien, die jemand in der Gegenwart hat.

Konkretheit: Haiku stellen Sachverhalte oder Erlebtes nicht abstrakt, sondern konkret dar, für einen Leser miterlebbar, sinnlich erlebbar.

Externe Orientierung: Haiku beschäftigen sich fast immer mit der äußeren Welt, weniger mit den Vorstellungen des Dichters.

Offenheit: Mit dem Lesen des Textes sollte das Haiku noch nicht zu Ende sein. Ein Nachhall, etwas Ungesagtes, offen Gelassenes, weiter zu Dichtendes sollte bleiben.

Endreime oder Überschriften gibt es beim Haiku nicht.

Die nächste Seite behandelt diese Merkmale von Haiku näher. Die Kurzfassung der Merkmale ist jeweils noch einmal kursiv vorangestellt. Dann folgen Seiten mit besonderen Themen und Vertiefungen.

Merkmale des Haiku
Kleine Geschichte des Haiku
Haiku und Prosa: Haibun
Haiku und Kettengedicht: Tan-Renga
Haiku und Bild: Haiga
Haiku in Gedichten
Haiku und besondere Orte

Vertiefungen (Auswahl)
Wird ergänzt …

 


Alles angepasst aus dem Buch: Volker Friebel (2019): Das Haiku. Grundwissen – Vertiefungen – der Horizont. Edition Blaue Felder, Tübingen. Alle Rechte vorbehalten. Die Rechte der zitierten Haiku liegen bei ihren Autoren. Ein Klick auf die Schaltfläche führt zum Shop des Druckwerks, wo eine Vorschau eingesehen und das Buch bestellt werden kann.